"ICH HABE DEN DIALOG GESUCHT, NICHT DIE DISKUSSION"

Ein Gespräch mit Sissy Dopsch

Sissy Dopsch war Mitbegründerin der Initiative Lebenswertes Seekirchen im Jahr 1994. Sie wurde im selben Jahr in die Gemeindevertretung gewählt, der sie mit einer kurzen Unterbrechung bis heute angehört. Im Frühjahr wird Sissy zusammen mit ihrem Mann, Univ.Prof. Heinz Dopsch, nach Kärnten übersiedeln und daher nicht mehr für die Gemeindevertretung kandidieren. Aus diesem Anlass führten wir mit ihr das folgende Gespräch.

Welche Beweggründe haben dich 1994 veranlasst, gemeinsam mit anderen die „Initiative Lebenswertes Seekirchen“ zu gründen?
Ich war immer am Geschehen in Seekirchen interessiert und habe viel mit jungen Menschen gearbeitet. Wir wollten primär eine Alternative zu den Altparteien und zur Freunderlwirtschaft, die sich in Seekirchen sehr stark abgezeichnet hat, wir traten für die Natur und die Umwelt ein, die damals noch total den wirtschaftlichen Interessen untergeordnet waren. Und wir wollten ein offenes Ohr für zugezogene Neubürger haben.

Welche Werte waren dir in der Politik wichtig?
Mir war wichtig, die Anliegen anderer wie eigene zu behandeln, nachzufühlen, wie es mir gehen würde, wenn ich Betroffene wäre. Ich habe den Dialog gesucht, nicht die Diskussion. Dialog bedeutet für mich Austausch von Meinungen, Diskussion ist das Vertreten von Standpunkten. Ganz wichtig ist mir die Natur, den See wahrzunehmen und nicht bloß im Sommer zu benützen. Es ist mir wichtig, zur Wahrheit zu stehen und keine faulen Kompromisse zu machen, bei denen man die eigenen Grundsätze aufgibt. Da würde ich lieber auf etwas verzichten.

Welche Entwicklungen bleiben dir in Erinnerung?
Rückblickend freue ich mich, dass die LeSe einiges bewirken konnte. Ich denke etwa an die Beibehaltung der Landschaftsschutzzone um den Wallersee oder das Engagement der LeSe-Gemeindevertreter im Zusammenhang mit dem Hochwasser 2013. Besonders freut mich, dass Bauvorhaben und Ungerechtigkeiten nicht mehr glatt und kritiklos durchgehen. Es gefällt mir, zu sehen, dass die LeSe als Partei wächst und die politische Arbeit Wirkung zeigt.

Du warst die erste Frau in Salzburg, die sich der Direktwahl als Bürgermeisterin stellte. Wie schwierig war es in deinen politischen Anfängen, sich als Frau zu behaupten?
Es war enorm schwierig, weil Politik eine Männerdomäne war. Ich wurde teilweise gemobbt und nicht ernst genommen. Als ich eine Periode lang allein in der Gemeindevertretung war, war ich dem Zorn der Mächtigen ausgesetzt, wenn immer die LeSe eine kritische Position vertrat (z.B. 380 KV-Leitung, Seekanal, u.a.). Ich kam mir manchmal vor wie das Kind im Märchen von "Des Kaisers neue Kleider".

Was sind heute die wichtigsten Aufgaben und Anliegen in der Seekirchner Gemeindepolitik?
Die Verbesserung der sanften Mobilität wie etwa die Fertigstellung der Radwege. Die ungehemmte Bauwut sollte in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Zugezogene und „Alteingesessene“ sollten Seekirchen als Heimat empfinden und die jungen Menschen anhören und ernst nehmen.

Wie siehst du die Situation der LeSe heute?
Ich freue mich, dass das Team der LeSe in letzter Zeit stark gewachsen ist, dass junge Frauen dabei sind, dass Ideenvielfalt herrscht und ein positiver Dialog geführt wird.